Multifokallinsen: mehrere Sehbereiche
Multifokallinsen sind künstliche Intraokularlinsen, die das Sehen in mehreren Entfernungen ermöglichen können. Bei der Operation wird die natürliche Augenlinse entfernt und durch die Kunstlinse ersetzt.
Anders als Monofokallinsen bilden sie nicht nur eine Entfernung scharf ab, sondern verteilen das Licht auf mehrere Brennpunkte – so kann das Auge etwa Nähe und Ferne oder zusätzlich die Zwischendistanz nutzen.
Bei Grauem Star und Alterssichtigkeit
Multifokallinsen werden häufig bei Grauem Star eingesetzt, indem die getrübte natürliche Linse durch eine klare Kunstlinse ersetzt wird. Sie kommen außerdem bei Alterssichtigkeit infrage sowie im Rahmen eines refraktiven Linsenaustauschs (RLE), um zusätzlich hohe Kurz- oder Weitsichtigkeit zu korrigieren – häufig dann, wenn eine Augenlaserbehandlung nicht geeignet ist.
Bifokal- und Trifokallinsen
Multifokallinsen werden in bifokale und trifokale Linsen unterteilt – sie unterscheiden sich in der Anzahl der abgedeckten Sehbereiche.
Trifokallinsen decken zusätzlich die Zwischendistanz ab – häufig etwa 50–100 cm, relevant z. B. für Bildschirmarbeit.
Ferne
Bifokal & Trifokal.
beideZwischendistanz
Computer, Armaturenbrett, Alltag.
nur TrifokalNähe
Lesen, Smartphone.
beide| Linsentyp | Sehbereiche | Typische Besonderheit |
|---|---|---|
| Monofokallinse | eine Hauptentfernung | häufig Lesebrille notwendig |
| Bifokallinse | Nähe und Ferne | Zwischendistanz kann zusätzliche Sehhilfe erfordern |
| Trifokallinse | Nähe, Zwischendistanz und Ferne | mehr Abdeckung im Alltag, besonders bei Bildschirmarbeit |
Eignung für Multifokallinsen
Multifokallinsen eignen sich häufig für Menschen, die im Alltag in mehreren Entfernungen gut sehen und weniger auf eine Brille angewiesen sein möchten – zum Beispiel bei:
- Grauem Star
- Alterssichtigkeit
- hoher Kurzsichtigkeit
- hoher Weitsichtigkeit
- einer für Augenlasern ungeeigneten Hornhaut
- medizinischen Gründen gegen eine Augenlaserbehandlung
Orientierungswerte der Kommission für Refraktive Chirurgie: hohe Kurzsichtigkeit ab etwa −6 dpt, hohe Weitsichtigkeit ab etwa +4 dpt. Ob die Behandlung sinnvoll ist, zeigt erst die Voruntersuchung.
Voraussetzungen im Überblick
| Voraussetzung | Bedeutung |
|---|---|
| Geeignete Augengesundheit | Schwere Augenerkrankungen können dagegen sprechen |
| Gesunde Netzhaut und Sehnerven | Beeinflussen die spätere Sehqualität |
| Medizinischer Behandlungsgrund | Häufig Grauer Star, Alterssichtigkeit oder hohe Fehlsichtigkeit |
| Geeignete Augenanatomie | Pupille, Hornhaut und Kapselsack müssen passen |
| Realistische Erwartungen | Können die Brillenabhängigkeit reduzieren, aber nicht jedes Sehen garantieren |
| Ausführliche Voruntersuchung | Die Diagnostik zeigt, ob Multifokallinsen sinnvoll sind |
Multifokallinsen werden eher im fortgeschrittenen Alter eingesetzt, besonders bei Grauem Star. Bei jüngeren Patienten ist die Entscheidung besonders sorgfältig abzuwägen.
Ablauf der Behandlung
Die Implantation erfolgt in der Regel ambulant unter örtlicher Betäubung und dauert häufig nur etwa 15 Minuten pro Auge.
Der Schnitt ist meist nur wenige Millimeter groß und verschließt sich häufig von selbst.
Auge betäuben
Betäubende Augentropfen bereiten das Auge vor.
Natürliche Linse entfernen
Die natürliche Linse wird über einen kleinen Schnitt zerkleinert und abgesaugt.
Multifokallinse einsetzen
Die gefaltete Kunstlinse wird in das Auge eingebracht.
Linse positionieren
Die Multifokallinse wird in ihrer vorgesehenen Position ausgerichtet.
Werden beide Augen behandelt, erfolgt die Operation häufig an zwei getrennten Terminen.
Femto-Phako: laserunterstützter Linsentausch
Bei einem Linsentausch kann ein Femtosekundenlaser einzelne Schritte der Operation unterstützen, bevor die natürliche Linse entfernt und durch eine Kunstlinse ersetzt wird. Femto-Phako ist keine eigene Linsenart, sondern eine laserunterstützte Operationstechnik – sie lässt sich unabhängig davon einsetzen, ob eine Monofokal- oder Multifokallinse geplant ist.
Der mögliche Vorteil liegt in der präzisen Planung und Durchführung einzelner Schritte. Ob Femto-Phako sinnvoll ist, hängt von Augenanatomie, geplanter Behandlung und Voruntersuchung ab.
Für den Femtosekundenlaser können Zusatzkosten entstehen. Klären Sie vor dem Eingriff, welche Leistungen enthalten sind und welche Alternativen bestehen.
Heilung nach dem Eingriff
Die Sehkraft kann sich oft schon kurz nach dem Eingriff verbessern. Auge und Gehirn benötigen aber Zeit zur Gewöhnung; in den ersten Tagen sind leicht verschwommenes Sehen, Blendempfindlichkeit oder Lichtkränze (Halos) möglich – besonders bei Dunkelheit oder beim Autofahren. Mit der Eingewöhnung nehmen sie bei vielen Patienten ab. Die Nachsorge ist besonders wichtig.
Vorteile von Multifokallinsen
Vorteile
- Geringere Abhängigkeit von Brille oder Kontaktlinsen
- Sehen in Nähe, Ferne und (Trifokal) Zwischendistanz
- Lesen, Bildschirm und Fernsehen oft ohne Sehhilfe
- Dauerhafte Korrektur der behandelten Fehlsichtigkeit
- Grauer Star und Fehlsichtigkeit in einem Eingriff
- Ambulanter Eingriff, kurze OP-Dauer
Zu beachten
- Halos / Blendempfindlichkeit in der Eingewöhnung
- Mögliche Kontrastminderung
- Eingewöhnung an mehrere Sehbereiche nötig
- Meist Zusatzkosten gegenüber Standardversorgung
Kosten und Kostenübernahme
Richtwerte je nach Anbieter, Lasertechnik, Voruntersuchung, Nachsorge und enthaltenen Leistungen.
Bei Selbstzahlung beginnen die Kosten häufig bei etwa 2.000 Euro pro Auge. Bei Grauem Star übernehmen gesetzliche Krankenkassen in der Regel die medizinisch notwendige Standardversorgung; da Multifokallinsen meist nicht dazugehören, können Zusatzkosten entstehen.
Privatversicherte sollten vorab prüfen, welche Leistungen der Tarif umfasst. Empfehlenswert sind ein Kostenvoranschlag und die Klärung der Erstattung mit der Versicherung.
Risiken und mögliche Nebenwirkungen
Die Implantation ist ein operativer Eingriff. Mögliche Komplikationen sind unter anderem Blutungen, Entzündungen, Infektionen, ein erhöhter Augeninnendruck oder seltene Hornhautverletzungen. Nach der Operation sind vorübergehend Fremdkörpergefühl, Brennen, schwankende Sehschärfe, Blendempfindlichkeit oder Dämmerungsprobleme möglich, ebenso Halos um Lichtquellen. Selten kann es zu Schäden am Kapselsack kommen.
Bei starken oder zunehmenden Beschwerden sollte das Auge zeitnah ärztlich kontrolliert werden.
Weitere Linsenarten
Welche Linse geeignet ist, entscheidet der Augenarzt nach der Voruntersuchung.
